Ich mag Anna Gavalda.

Ich habe mit Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet begonnen, ihren Schreibstil sehr zu mögen. Damals waren es noch Kurzgeschichten. Jetzt sind es Romane. Der bekannteste sicher: Zusammen ist man weniger allein der bereits verfilmt wurde. Ihr neuestes Buch heißt Ein geschenkter Tag.

Darin handelt es von vier Geschwistern: Simon, Lola, Garance und Vincent. Es ist ein Roadmovie, ein Aussteigen aus dem Alltag. Die Beziehung zwischen den Geschwistern wird mit viel Witz und Wärme erzählt und man spürt die französische Luft und Frühlingswärme während des Lesens. Ich werde auch dieses Buch öfter lesen und mir immer wieder einen Tag damit schenken!

“ Heute ist sie meine beste Freundin. So wie bei Montaigne und La Boétie, Sie wissen schon … Ganz einfach, weil sie es war, weil ich es war. Und dass diese junge Frau von zweiunddreißig Jahren meine ältere Schwester ist, spielt überhaupt keine Rolle mehr. Außer vielleicht in der Beziehung, dass wir keine Zeit damit verloren haben, uns zu finden.
Ihr entsprachen Die Essais, die tollen Theorien, dass man für seine Unbeugsamkeit bestraft wird und dass Philosophieren heißt, Sterben zu lernen. Mir entsprach Von der freiwilligen Knechtschaft, mit all den unendlichen Missständen und den Tyrannen, die ihre Größe nur dem Umstand verdanken, dass wir vor ihnen auf den Knien liegen. Ihr gehörte die erhabene Weisheit, mir die Urteilsverkündung. Uns beiden der Eindruck, von allem die Hälfte zu sein, dass die eine ohne die andere nur ein Halbes ist.

Dabei sind wir ziemlich verschieden. Sie hat Angst vor ihrem Schatten, ich pfeife auf ihn. Sie schreibt Sonette ab, ich lade Samples herunter. Sie bewundert Maler, ich bevorzuge Fotografen. Sie sagt nie, was sie auf dem Herzen hat, ich sage, was ich denke. Sie mag keine Auseinandersetzungen, mir gefällt es, wenn die Dinge geklärt sind. Sie ist gern ein wenig >>angesäuselt<<, ich trinke lieber richtig. Sie geht nicht gern aus, ich will nicht gern nach Haus. Sie kann sich nicht amüsieren, ich komme nicht ins Bett. Sie mag nicht spielen, ich hasse es zu verlieren. Sie hat unendlich weite Arme, meine Menschenfreundlichkeit ist angeknackst. Sie regt sich niemals auf, ich flippe oft aus.
Sie behauptet, die Welt gehöre den Frühaufstehern, ich beknie sie, nicht so laut zu reden. Sie ist romantisch, ich bin pragmatisch. Sie ist verheiratet, ich bin flatterhaft. Sie schläft nicht mit einem Kerl, ohne verliebt zu sein, ich nicht ohne Kondom. Sie – sie braucht mich, und ich brauche sie.

Schon alleine wie sie Charaktere beschreibt, diese Gegenüberstellung zweier Schwestern!

Man kann es auf die Müdigkeit schieben, aber ich ertappte mich tatsächlich dabei, wie mir ganz warm ums Herz wurde. Eine große Welle der Zärtlichkeit für die drei und der plötzliche Gedanke, dass wir im Begriff waren, aus unseren Kinderschuhen herauszuwachsen …
Seit fast dreißig Jahren gehörten sie zu mir … Was wäre ich ohne sie? Und wann würde uns das Leben trennen?
Denn so ist es doch. Die Zeit trennt diejenigen, die sich lieben, und nichts ist von Dauer.

Zu viele Emotionen auf einmal. Mein geliebter Simon, meine liebe Lola, der kleine Vincent, der kleine Venuslöwe auf meinem Schoß und die ganzen Lieder, die mir schon so lange zu leben halfen …

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter gelesenes, schöne Sätze veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ich mag Anna Gavalda.

  1. Astrid schreibt:

    Deine Buchtipps – wie Perlen. Durch dich habe ich immer Bücher entdeckt, die besonders waren, ganz anders und dabei immer wunderbar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s